Friday, September 14, 2007

Protokoll einer Zugfahrt


Am Freitag nahm die Franzi schon den EC um 11 Uhr, um frühzeitig in der schönen Stadt am Neckar anzukommen. Schon der Weg zum Bahnhof gestaltete sich recht schweißtreibend, die Franzi hatte zwei Rollenkoffer, einen Rucksack und eine große, dicke Tasche den Berg hinauf zu befördern.
Auch der Zug Richtung Brenner war so voll, dass die Franzi einfach nur ihre Gepäckstücke im Korridor abstellte und nicht bis zu ihrem reservierten Platz schleppte. Das Abteil teilte sie sich mit zwei Vegetariern aus Österreich, die sich die ganze Fahrt lang Brötchen mit Mozzarella, Tomaten, frischem Basilikum und Olivenöl belegten. Sogar eine Pfeffermühle hatten sie dabei. Außerdem war da noch ein älteres Ehepaar aus der Schweiz, eine junge Sozialpädagogin aus Ungarn, die gerade in Deutschland ein Freies Soziales Jahr absolvierte und eine Italienerin aus dem Trentino, die in Mailand studierte und zwecks Experteninterviews für ihre Diplomarbeit nach Tübingen reiste. Die Zeit bis München verging wie im Flug und die nette Italienerin half der Franzi sogar noch ihre etwas unhandlichen Gepäckstücke im nächsten Zug unterzubringen.
Ihr Platz jedoch, war von einer sehr fülligen Dame besetzt. Diese bat die Franzi den Platz freizumachen, worauf sie sich auf den Platz direkt daneben setzte. Die Franzi machte es sich gemütlich, musste jedoch feststellen, dass die Dame neben ihr einen ziemlich unangenehmen Mundstuhl hatte, der Franzi wurde ganz übel bei dem Gedanken die ganze Fahrt dort verbringen zu müssen. In Pasing dann stieg eine weitere Dame ein, die den Platz neben der Franzi für sich beanspruchte, worauf die fülligere Dame sich an die Franzi wendete und sagte: "Des isch abba mein Plätzle!" Also wurden Platzreservierungen verglichen und tatsächlich hatten die Franzi und die Dame den gleichen Platz reserviert, nur dass die Reservierung der Dame in München endete obwohl sie erst in Ulm aussteigen wollte. Also blieb die Franzi auf ihrem Platz sitzen, und die dicke Dame schimpfte auf den Verkäufer am Fahrkartenschalter in Bischofshofen. Die gerade eingestiegene Dame machte es sich dann also auf dem dritten Platz in der Reihe bequem, erzählte von ihrem Rückenleiden, trug eine Beinschiene und ein Paar Krücken mit sich. In Augsburg stieg dann eine junge Frau zu, die den Platz der Dame mit dem Rückenleiden beanspruchte. Diese beanspruchte somit den Platz der fülligen Dame, die erneut auf die Bahn schimpfte und sich nicht vom Fleck rührte. Also nahm die Dame mit dem Rückenleiden im Korridor platz, musste wegen des steten Betriebs alle paar Minuten aufstehen und sah doch sehr jämmerlich aus. Natürlich kein Wort des Dankes von der Dame aus dem Schwäbischen. Also entschied sich die Franzi mal wieder den Red Adair zu machen und bot der älteren Dame ihren Platz an. Natürlich nicht ganz uneigennützig, schließlich war sie auf dem Korridor vor jeglichen Körpergerüchen der unfreundlichen Schwäbin bestens geschützt. Wirklich bequem war die Fahrt von Augsburg bis Ulm nicht, und als der Herd des Unfriedens ohne Dank den Zug verließ atmeten alle anderen anwesenden im Abteil erleichtert auf und die Franzi kehrte auf den ihr zustehenden Platz zurück.
In der Stadt am Neckar angekommen wurde sie sogleich am Bahnhof von ihrer Mutter in Empfang genommen und in den Wohnort der Familie kutschiert, wo schon der Vater der Franzi, der Cousin ihrer Mutter mit Frau aus Argentinien, deren Tochter mit derzeitigem Wohnsitz in der Schweiz und ihr Pfarrer-Onkel aus Marburg fröhlich klönten und ihren Jetlag auskurierten.
Am Abend reisten dann noch der andere Onkel mit Frau aus Oldenburg und Cousin und Cousine mit Schwipp-Schwager aus Köln an.

2 comments:

Anonymous said...

bin schwer enttäuscht von den Österreicherinnen - dass die keinen Liptauer gegessen haben ;-/

InsideOut said...

und es war doppelt bäh, der Mozzarella war von Brimi.
Die hätten sich mal lieber ne Eitrige reinpfeifen sollen.
Oder wie ich lernte: an Eitrige mit an Buckel und an 16-er Blech auf Tschenifer.