
Kaum in Deutschland hatte der graue Alltag die Franzi wieder. Nicht nur das, nein, die Bürokratie des City Council in Cardiff holte die Franzi ein. Es galt nicht nur Formulare für die Steuer auszufüllen, zum 300sten Mal eine work history niederzuschreiben und zu entscheiden, ob sie am Pension Fund teilnehmen möchte, nein, ihr zukünftiger Arbeitgeber verlangte auch noch für ihre Zeit in Italien und den USA ein polizeiliches Führungszeugnis.
Nach ewiger Herumtelefoniererei mit der Gemeinde Brixen fand die Franzi dann schließlich heraus, dass sie sich an das Landesgericht in Bozen wenden musste, genauer gesagt an die Staatsanwaltschaft. Dort half ihr eine freundliche Dame gleich weiter und wenn die Franzi in zwei Wochen nach Bozen kommt, kann sie ihr Führungszeugnis, das dort Strafregisterauszug heisst, gleich mitnehmen.
Den police background check aus den USA aufzutreiben gestaltete sich ungleich schwieriger. Nach einigem Herumfragen fand die Franzi schließlich heraus, dass sie ein Identification Record Request beim FBI stellen muss. Dieses kostet 18 US Dollar und funktioniert folgendermaßen: Man fülle einen Antrag aus, drucke sich eine Fingerabdruckvorlage aus dem Internet aus, gebe Fingerabdrücke von allen zehn Fingern gerollt und auch frontal ab, vermerke eventuell fehlende Finger und schicke dieses, zusammen mit dem Antrag und einer Einzugsermächtigung für die Kreditkarte an das FBI in West Virginia. Die Bearbeitungszeit beträgt 3-4 Wochen und die Fingerabdrücke müssen einem bestimmten Muster entsprechen und mit Druckerschwärze abgegeben sein, sonst werden sie nicht akzeptiert.
Nach einigen Versuchen mit dem hauseigenen Stempelkissen stellte die Franzi also fest, dass es zum Fingerabdrücke machen eines Experten bedurfte. Daher wendete sie sich an die Polizeidirektion Heidelberg und wurde auch gleich zum kriminaltechnischen Dauerdienst durchgestellt, der ihr verzückt verkündete, sie könne jederzeit vorbei kommen und der ganze Spaß koste 130 Euro. Nun ist die Franzi zwischen Studium und Beruf recht knapp bei Kasse und geriet erstmal in eine tiefe Verzweiflung. Nachdem sie sich wieder etwas beruhigt hatte wagte sie einen zweiten Versuch und rief bei der Polizeidirektion Mannheim an. Der Herr dort war ausgesprochen freundlich, verriet ihr, dass Fingerabdrücke eindeutig zu den Dienstleistungen der Kriminalpolizei gehörten und dementsprechend kostenfrei seien, und dass sie gerne, am darauffolgenden Tag, vorbei kommen könne. Gesagt getan: die Franzi fuhr am Geburtstag ihres Herrn Papa nach Mannheim, bekam professionell ihre Fingerabdrücke, die Kunstwerken glichen, und schickte sie sogleich in die USA.
Jetzt macht sie sich natürlich Gedanken: 1. weil sie eigentlich in ihrem Leben nicht vor hatte die US Behörden freiwillig mit ihren biometrischen Daten zu versorgen, und 2. weil sie hofft, dass sie nicht zufällig damals, sie war 16 Jahre alt, ihre Fingerabdrücke auf Gegenständen hinterlassen hat, die später für ein Verbrechen missbraucht wurden.
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