Sunday, June 29, 2008

Kein Spass mit den Buerokraten

Die Franzi hätte nie gedacht, dass es ein Land geben könnte, das die italienische Bürokratie übertrifft. Seit sie sich hier mit den Behörden rumschlägt sieht sie das etwas anders. Im Gegensatz zu Italien sind die Menschen hier jedoch sehr höflich, was die Kompliziertheit mancher Vorgänge doch wenigstens ein wenig erträglicher macht.

In Großbritannien muss sich jeder, der Resident ist (hierfür muss man sich nicht registrieren, es reicht ein Mietvertrag) bei einem GP (General Practitioner), sprich einem Hausarzt anmelden. Dieser Hausarzt darf nicht mehr als 1 Meile vom Haus der betreffenden Person entfernt sein. Bei jeder Krankheit, außer in Notfällen, wird der GP aufgesucht, der einen dann an den betreffenden Facharzt überweist.

Am Donnerstag also wollte sich die Franzi bei ihrem GP registrieren lassen. Mit Reisepass, Impfpass, Mietvertrag und Arbeitsangebot in der Tasche machte sie sich auf zur Praxis, wo sie von den beiden ausgesprochen freundlichen Arzthelferinnen in Empfang genommen wurde. Sie legte alle ihre Dokumente vor, woraufhin die eine Arzthelferin nach einer Arbeitserlaubnis fragte. Die Franzi erklärte ihr, dass sie als deutsche Staatsbürgerin solch einer Erlaubnis nicht brauche. Die Arzthelferin glaubte ihr nicht und fragte bei ihrer Kollegin nach. Auch diese erklärte eine Arbeitserlaubnis sein absolut notwendig für eine Registrierung. Die Franzi erklärte, dass es seit einigen Jahrzehnten die Europäische Union gebe, deren alte Mitglieder, zu denen auch Deutschland gehöre, untereinander ein Abkommen hätten, welches besagt, dass sich Arbeitssuchende auf dem gesamten Gebiet frei und ohne Erlaubnis bewegen könnten. Sie erntete nur ungläubiges Staunen. Dann nahmen die Helferinnen ihren Mietvertrag unter die Lupe und stellten fest, dass er nur für 6 Monate sei, sie müsse aber nachweisen, dass sie mindestens 12 Monate gedenke in Großbritannien zu bleiben. Die Franzi erklärte, dass sie eine 6-monatige Probezeit hätte und daher nicht wisse, ob sie 12 Monate bleiben könne. Die Damen sagten, dass sie sich dann nicht registrieren könne. Den Einwand der Franzi, dass sie ja schlecht ohne Krankenversicherungsschutz anfangen könne für die Stadt Cardiff zu arbeiten beachteten sie gar nicht. Sie erklärten, sie müsse ihren Mietvertrag auf 12 Monate verlängern und die Arbeitserlaubnis bei bringen, sonst könnten sie leider nichts tun, Love. Alles sehr liebenswürdig aber nicht wirklich hilfreich. Frustriert googelte sich die Franzi danach durch das Internet und fand natürlich heraus, dass sie keine Arbeitserlaubnis braucht und, dass sich wirklich jeder Resident beim GP anmelden gehen kann, unabhängig von der Länge des Mietvertrags. Aber da war die Praxis schon geschlossen.

Am Freitag hatte die Franzi keine Lust auf Arzthelferinnen und beschloss sich daher an die Eröffnung eines Bankkontos zu wagen. Sie klapperte die vier hochrangigsten Banken ab und bekam jedes Mal zu hören, dass sie neben ihrem Reisepass zur Eröffnung eines Kontos auch eine Utilities Bill mit ihrem Namen und ihrer Adresse bräuchte. Dabei handelt es sich um die Rechnung für Wasser, Strom, Gas oder Telefonfestnetzanschluss. Die Franzi erklärte, dass sie in einem Haus mit 7 anderen Menschen wohnt, dass sie also nicht auf der Rechnung stehen wird und dass sie, selbst wenn sie darauf stehen würde, in nächster Zeit noch keine Rechnung bekommen würde, da diese im Quartal versendet werden. Die Damen und Herren schüttelten bedauernd die Köpfe, ein Konto zu eröffnen sei ohne Utilities Bill nicht möglich.

Die letzte Bank, bei der es die Franzi probierte war die Barclays Bank. Eigentlich wollte die Franzi dort im Leben kein Konto eröffnen, weil Barclays so groß und bieder ist wie die Deutsche Bank, und sowas geht der Franzi gehörig gegen den Strich. Die Herren bei Barclays waren aber unheimlich nett und als die Franzi mit ihrem Problem herausrückte erklärten sie, dass bei Personen, die weniger als 3 Monate in Großbritannien ansässig seien auch ein Kontoauszug von der alten Bank aus dem Ausland als Adressnachweis völlig ausreiche. Den brachte die Franzi in Nullkommanichts bei und schwupp die wupp hatte sie ein Konto.

Beim GP wird sie am Montag einen neuen Versuch starten.

2 comments:

MENTALitalianO said...

Meiner Freundin wurde damals ein sofort ein gynakologischer Abstrich gemacht, obwohl sie nur erkältet war. GPs sind schon gut!

InsideOut said...

tja, ist doch immer gut die Quelle eines Infekts zu erforschen ;-)