Monday, October 08, 2007

Sonntags in Brixen

Am gestrigen Tag war die Franzi im Bezug auf ihre Diplomarbeit sehr fleißig. Außerdem gestern der Geburtstag der Mari, und die Franzi war zum Mittagessen bei eben dieser zu Hause eingeladen. Nicht nur, dass die Mutter der Mari vorzüglich kochen kann, es gab Polenta mit Rotkohl, weißen Rüben und zum Nachtisch Marillenknödel, die ersten, die die Franzi in Südtirol bisher gegessen hat. Nein, die Familie der Mari hat auch seit ein paar Tagen ein kleines schwarze Kätzchen, das erst ein paar Wochen alt ist. Vom Spielen erschöpft fällt es ca. alle halbe Stunde in einen komatösen Schlaf während dessen es wunderbar in der Armbeuge liegt. Dann wacht es wieder auf, rennt wie eine Verrückte durch die Gegend um dann wieder auf irgendeinem Arm wegzuschnarchen.
Die Franzi war ganz entzückt und hätte es beinahe unter ihren Pulli gesteckt und mitgehen lassen.
Außerdem hat die Franzi gestern Abend ein total abgefahrenes Buch von Lilian Faschinger, einer österreichischen Schriftstellerin fertig gelesen. Das Buch handelt von der Sünderin Magdalena, siebenfacher Männermörderin und Europareisende, die einen Priester entführt um endlich umfassend beichten zu können. Der Roman enthält Textpassagen wie den folgenden, die eigentlich keines weiteren Kommentars bedürfen:
„ Nachdem ich meine wachsende psychische Gefährdung durch die weltoffenen Gebildete, insbesondere durch den hohen Prozentsatz an Psychologen, Psychoanalytikern, Psychiatern und Psychotherapeuten verschiedenster Richtungen unter ihnen klar erkannt hatte, überlegte ich, wie ich ihnen am besten entrinnen könnte. In meiner mir angeborenen Gutmütigkeit und der mir anerzogenen Gefügigkeit und Willfährigkeit hatte ich zugelassen, dass sich dieses Psychotherapeuten, Psychologen, Psychiater und Psychoanalytiker an mich herangemacht, mir ihre furchterregenden Masken, ihre Schreckensbilder übergestülpt hatten. Vor den Psychologen, Psychotherapeuten, Psychiatern und Psychoanalytikern muss man sich hüten wie ein guter Katholik vor den Versuchungen der Leibhaftigen, sie reden einem die absolute Funktionsuntüchtigkeit der eigenen Seele so lange ein, bis man ihnen glaubt und sich von ihnen helfen, sie als Mechaniker der menschlichen Seele mit ihren maschinenölfleckigen Fingern agieren lässt, ein Schritt, den viele bereut haben. Denn dadurch, dass man sich von ihnen helfen lässt, hilft man selbstverständlich nicht sich selbst, sondern ausschließlich den Psychiatern, Psychologen, Psychoanalytikern und Psychotherapeuten verschiedenster Richtungen. Dass nämlich diese Psychiater, Psychoanalytiker, Psychologen und Psychotherapeuten dringender Hilfe bedürfen, wird jedem einleuchten, der sie über einen kürzeren oder längeren Zeitraum hinweg beobachtet.“

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